Hör auf, dich ständig zu entschuldigen

Hör auf dich zu entschuldigen

Gerade wir Frauen sind Meisterinnen im Entschuldigen. Für alles und auch dann noch, wenn es überhaupt keinen Grund dazu gibt. „Entschuldigung“ und „Es tut mir leid“ sind so gebräuchlich wie „Hallo“ oder „Wie geht es dir?„. Was mich daran stört: Vom gesunden Selbstwertgefühl, ist das weit entfernt. Das ständige Entschuldigen ist oft mit einem unbewussten Gefühl des Versagens verbunden: Angst davor, nicht gut genug zu sein, die Harmonie nicht bewahren zu können, und dadurch Konflikte zu verursachen.

"Oh, tut mir leid..." – aber warum eigentlich?
"Tschuldigung." "Sorry".

Sorry, sorry, sorry: Wer sich ständig entschuldigt, macht sich klein. Klar, wer etwas verbockt hat, wer gegen Werte verstoßen hat, wer etwas Unangebrachtes gesagt hat, der sollte um Entschuldigung bitten. Das ist guter Stil, und zeugt von Größe. Es gibt aber Menschen, die entschuldigen sich für alles. Und darum geht’s hier.

Äh, bitte untertänigst um Verzeihung, dass Sie die gesamte Treppe verstellen und ich deshalb nicht vorbei komme. Oh, sorry! Ich habe nicht gesehen, dass Sie gerade ein Videogame auf Ihrem Handy spielen. Ich werde einfach schauen, ob ich den Notausgang finde… Deine Freundin schuldet dir noch Geld? Du musst mit deinem Freund an diesem Wochenende unbedingt die Eltern besuchen? Denke immer dran: Du bist offenbar die einzige Person, die ihre Gedanken so beisammen hat, um sich Dinge zu merken. Warum also dafür entschuldigen? Es gibt keinen Grund, sich immer und immer wieder zu entschuldigen.

Deine Kollegin zieht den Nase lautstark hoch? Dein Freund rennt mit den schmutzigen Schuhen durch die Wohnung? Wenn dich die Angewohnheiten anderer stören, kannst du sie darum bitten, dass sie das unterlassen. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn du deine Bedürfnisse in den Vordergrund stellst.

Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Frauen wesentlich häufiger um Verzeihung bitten als Männer. Etwa 75 Prozent aller Entschuldigungen stammen von Frauen.

WARUM IST DAS SO?

Eine Analyse der kanadischen Waterloo-Universität von 2011 liefert Hinweise: Frauen sehen die Notwendigkeit schneller und entschuldigen sich daher öfter. Männer entschuldigen sich erst, wenn sie den Eindruck haben, dass ihnen tatsächlich ein Fehler unterlaufen ist. (Studie: When and Why Women Apologize More than Men)

Aber, die Ergebnisse zeigen nicht nur, dass Frauen sich häufiger entschuldigen als Männer, sondern auch, dass Frauen häufiger eigene Fehler zur Sprache bringen. Das Problem ist also nicht allein, dass Frauen sich zu oft entschuldigen, vielmehr, dass zwischen den Geschlechtern ein unterschiedliches Verständnis zu herrschen scheint, was überhaupt als Fehltritt anzusehen ist.

Hör auf dich zu entschuldigen

WAS STECKT HINTER DER ENTSCHULDIGUNG

Sind Entschuldigungen jetzt per se schlecht? Natürlich nicht. Doch es lohnt sich, die Beweggründe für die eigenen Entschuldigungen mal genauer anzuschauen. In der Theorie gibt es drei Arten von Entschuldigungen. Die Hab-mich-lieb-Entschuldigung, die Harmonie um jeden Preis vorsieht. Die Tu-mir-nichts-Entschuldigung, wo es gilt, Streit zu vermeiden. Und die heilloseste Form der Entschuldigung: die überflüssige Ich-habe-versagt-Entschuldigung. Letztere rührt von einem falschen Perfektionismus her, klar ist, du brauchst dich nicht dafür zu entschuldigen, dass du nicht perfekt ist. Nobody is perfect, right?

Am Ende geht es nicht um eine objektive Reflexion, sondern um unsere Unsicherheiten. Schauen wir auf uns selbst, dann heißt es nämlich viel zu oft: Im Zweifel gegen die Angeklagte, und das ist – Selbstsabotage. Wir Frauen sind nicht dafür zuständig, unangenehme Situationen in Wohlgefallen aufzulösen, indem wir uns als Sündenbock zur Verfügung stellen: „Entschuldige bitte, das lag sicher an mir …“

 

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DAS ABER DER SACHE

Genau wie jemand, der sich nie entschuldigt, können Menschen, die permanent und ohne Grund um Entschuldigung bitten, auf Probleme stoßen. Warum:

  1. Die Entschuldigung verliert Wirkung

Jeder entschuldigt sich mal für Dinge, die eigentlich keiner Entschuldigung bedürfen. Doch Entschuldigungen gehören zu den Dingen, die in Wiederholung ihre Kraft verlieren. So wie man ständigen Lügnern keinen Glauben mehr schenkt. Genauso ist es bei Entschuldigungen. Zuviel davon nimmt sie niemand mehr ernst.

  1. Zu viele Entschuldigungen untergraben das Selbstbewusstsein

Gerade Frauen zweifeln an ihren Leistungen, haben Angst vor Konfrontationen, und nehmen deshalb lieber eine zurückgezogene Position ein. Als Mädchen haben wir beigebracht bekommen, uns zu entschuldigen, um wieder Freunde sein zu können. Wenn ich Entschuldigung sage, muss mein Gegenüber wieder okay sein mit mir.

Die Frage ist jedoch: Entschuldigt man sich, weil man etwas falsch gemacht hat, oder entschuldigt man sich, weil man denkt: Ich bin falsch?

Die Crux ist, Entschuldigungen wo es keine braucht, sagen: Ich bin nicht okay, aber ich hoffe, dass du trotzdem okay mit mir bist. Oft handelt es sich um ein angeknackstes Selbstbewusstsein, das da spricht und dafür sorgt, dass man sich immer kleiner macht, als man eigentlich ist. Mea culpa.

  1. Zu häufiges Entschuldigen nervt

Wer sich ständig entschuldigt, verlangt vom Gegenüber, ständig zu verzeihen. Nach dem Motto „Ach komm, ist doch nicht so schlimm.“ Das Gegenüber wird seine Bestätigung immer wieder in neuen Entschuldigungen suchen. Macht der dann tatsächlich mal etwas falsch, ist es kaum noch möglich, konstruktive Kritik zu üben.

Was wäre, wenn du dich einfach mal nicht mehr entschuldigen würdest? Was wäre, wenn du dich einfach mal eine Woche nicht entschuldigen würdest?

WIE KOMMEN WIR DA WIEDER RAUS?

Bewusstsein entwickeln.  Wofür habe ich mich gerade entschuldigt? War das notwendig? Musste ich mich dafür wirklich entschuldigen? Formulierungen, wie „Könnte ich vielleicht“, „Dürfte ich anmerken“ oder „Wäre es möglich“ – die ganzen Konjunktive. Umdenken!

>> Frag dich doch mal:  Würde die Person, bei der du dich gerade entschuldigen willst, sich andersrum bei dir entschuldigen? Merkste, oder?

Wenn du zu einer Verabredung zu spät kommst, dann sag nicht „Entschuldigung“, besser „Danke, dass du gewartet hast“. Das drückt Dankbarkeit aus — trotz Fauxpas.

Natürlich gilt es sich zu entschuldigen, wo es angebracht ist, wenn man Menschen verletzt hat. Oder wenn man in der U-Bahn jemanden anrempelt.  Aber niemand von uns, egal welches Geschlecht, sollte sich selbst dauernd in Frage stellen.

Mach dir Freude,

Catrin

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Catrin @Catrin and Jacob

Ich bin Catrin, die Gründerin von CATRIN AND JACOB. Ich helfe dir dabei mentale Stärke und Selbstwert aufzubauen. Warum? Weil zufriedene Frauen starke Frauen sind. Und weil unsere heutige Zeit starke Frauen braucht. Ich glaube an die Kraft von ganzheitlicher Schönheit. Und ich finde Selbstvertrauen schöner als alles andere.

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